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Gewöhnlicher Beinwell – Symphytum officinale

Der Name Beinwell, Wallwurz, Beinwurz, Heilwurz oder Helfenbeinwurzel deutet bereits auf die Verwendung dieser krautigen, mehrjährigen Pflanze hin. „Bein“ steht dabei für „Knochen“ und „well“ oder „wall“ für „zuwachsen“. Auch der lateinische Name „Symphytum“ bedeutet „zusammengewachsen“. All dies bezieht sich auf die Hauptanwendung des Beinwells bei Knochenbrüchen und Problemen des Bewegungsapparates. Aber bevor ich hier näher auf die Wirkung dieses Raublattgewächses (lat. Boraginaceae) eingehe, möchte ich euch noch die botanischen Merkmale näherbringen.


Die Blätter sind lanzettlich bis zu 25 cm lang und rau-behaart. Die hellgrünen Blätter sind mit dem Stängel verwachsen und laufen diesen herab. Die ab Mai meist bis Juli erscheinenden Blüten sind am Ende des Stängels in Spiralen aufgerollte Blütenstiele mit einer Vielzahl an glockenförmigen violetten, selten auch weißlichen, Blüten versehen. Der Griffel ragt aus der 1 bis 2 cm langen Blüte heraus. Der Stängel ist vierkantig und beflügelt. Der fleischige, dicke Stängel ist mit rauen Haaren überzogen. Die Wurzel des Beinwells ist dunkelbraun bis schwarz und fingerdick. Schneidet man die Wurzel an, so ist diese im Inneren weiß und erinnert an das Wurzelgemüse Schwarzwurzel (lat. Scorzonera hispanica, Pflanzenfamilie Korbblütler, lat. Asteraceae). Der Beinwell ist auf allen oberirdischen Teilen rau behaart und bildet eine üppige, buschige bis zu 1 m hohe Staude.


Er liebt feuchte bis nasse Lehmböden im Schatten. So findet man ihn gerne in Auwäldern, an nassen Wiesen, Gräben, feuchte Gebüsche, Gewässerränder, feuchte Wälder und auch sehr gerne in feuchten Graslandschaften. Er ist in den tieferen Lagen unter 1000 Höhenmeter weit verbreitet.

Eine unbedenkliche Verwechslung ist mit seinem Verwandten, den schmalblättrigen Knoten-Beinwell (lat. Symphytum tuberosum) möglich. Dessen Blüten sind weißlich-gelb und die Blätter laufen kaum den Stängel hinunter.


Leider ist jedoch auch eine Verwechslung mit einer Giftpflanze möglich. Dem roten Fingerhut (lat. Digitalis purpurea). Die jungen Blätter können hier leicht verwechselt werden, da sie sich sehr ähneln. Die Blätter des Fingerhuts sind weich behaart, wohingegen die des Beinwells rau und kratzig sind. Der Blütenstand ist eindeutig unterschiedlich. Der rote Fingerhut hat einen großen traubenförmigen Blütenstand, welcher aufrecht steht. Auch bildet der Fingerhut im ersten Jahr eine Grundrosette und im zweiten einen unverzweigten, beblätterten und aufrechtwachsenden Stängel.


Pflücke nur was du sicher erkennst. Beobachte neue Pflanzen ein ganzes Jahr lang auf ihrem Standort, so lernst du sie gut kennen und kannst sie dann auch an anderen Standorten besser wiedererkennen.

 
Traditionell übermittelte Volksheilkunde

Der Beinwell hat einen Inhaltsstoffmix aus Allantoin, Gerbstoffen, Schleimstoffen, Kieselsäure, Stärke, Rosmarinsäure, Vitamin B12 und Triterpenen. Diese Inhaltsstoffe machen ihn entzündungshemmend, geweberegenerierend, blutstillend, antirheumatisch, wundheilend, zusammenwachsend, bindegewebsfestigend, haar- und nagelfestigend, gewebebildend und wirkt anregend auf die Zellteilung.


So wurde der Beinwell in der traditionellen Volksheilkunde seit jeher als fester Bestandteil in der Hausapotheke verwendet. Vorwiegend wurde Beinwell äußerlich bei Krampfadern, Venenentzündungen, Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen, Schleimbeutelentzündungen, Rheuma, Tennisarm, Quetschungen, Hexenschuss, Beinhautentzündungen, Wunden, Schwellungen, Geschwüren, Ekzemen, Frostbeulen, Narben, Abszessen, Blutergüssen, Knochenbrüche, Knochenverletzungen, Knochenschmerzen, Gelenksschmerzen, Arthrose, Muskelverletzungen, Muskelkater, Muskelverspannung, Sehnen- und Bänderrisse und bei Nervenschmerzen verwendet. Dies erfolgte in Form von Salben, Umschlägen, Ölen, Pflanzenpflastern, Auflagen und Wickel aus Pflanzenbrei, Tinktur, Absud oder frisch.


Heutzutage wird der Beinwell kaum mehr innerlich verwendet, da er Pyrrolizidinalkaloide enthält. Dieser Stoff wurde als potenziell leberschädigend und krebserregend eingestuft. Zur Vollständigkeit möchte ich hier trotz dem Warnhinweis zur innerlichen Anwendung die überlieferte Verwendung angeben. In früheren Zeiten wurde der Beinwell als Tee, Tinktur oder Pulver innerlich bei Durchfall, chronischen Atemwegsentzündungen, Blutstillung, Bronchitis, Bauchfellentzündungen und Magen-Darmgeschwüren verwendet.


Von der innerlichen und äußerlichen Anwendung von Beinwell in der Schwangerschaft, Stillzeit oder für Kinder unter 2 Jahren sollte abgesehen werden. Des Weiteren bitte die Anwendung nur äußerlich durchführen.

 
Kulinarisches Einsatzgebiet

Da der Beinwell ein starkes Heilkraut ist, sollte der Umgang mit dem Beinwell sehr respektvoll und in Maßen erfolgen. Unsere Vorfahren verarbeiteten den Beinwell nicht nur als Heilmittel, sondern gaben ihn auch zu Speisen, gemäß dem Spruch „Deine Nahrung soll dein Heilmittel sein“. Ich möchte auch an dieser Stelle hinweisen, dass der Beinwell Pyrrolizidinalkaloide enthält und diese auch durch Erhitzen erhalten bleiben.


In einigen Büchern kann man lesen, dass die Beinwellblätter gefüllt und paniert als Rouladen, als Blattgemüse, in Salaten oder entsaftet als Zugabe zu Limonaden und Säfte verwendet werden. Die Blüten werden als süße Dekoration auf Salate gegeben und die Wurzel gedünstet als Wurzelgemüse oder roh geraspelt auf einer Rohkostplatte serviert. Die jungen Stängel und Triebspitzen werden von den rauen Haaren und Fasern befreit und kurz gebraten als Gemüse gegessen.


Die kulinarische Verwendung soll aufgrund der Alkaloide selten bis gar nicht erfolgen. Wenn jemand doch den Beinwell kulinarisch verwenden möchte, dann bitte nur selten und es dürfen keine Vorerkrankungen der Leber bekannt sein.

 
Aber-Glaube!

Ein Bad im Beinwell-Absud soll jungen Frauen die Jungfräulichkeit wieder geben.


Eine ausgegrabene Wurzel in zwei Teile brechen und diese bandagieren. Diese bandagierte Beinwellwurzel wird in die Ecke gestellt und soll die Genesung des Knochenbruchs fördern.


Eine Räucherung mit Beinwellwurzel vertreibt die Dämonen der Krankheit.


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